Jedenfalls bin ich überzeugt, daß der nicht würfelt.

Albert Einstein

Physiker AD

Von Chaos und Zufall

 
So, du glaubst also nicht, dass du das Produkt von Chaos und einer wirr aneinandergereihten Kette von Zufällen bist. Ich kann das verstehen. Warum sollte man sich auf so einen Wahnsinn einlassen. Chaos. Zufall. Pfff.

Es ist ja auch so eine Sache. Rund um mich kann ich Chaos nicht sehen. Dinge die ich nicht sehen kann, können nicht existieren. Oder ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es sie gibt. Da ist es mit einem oder mehreren Herrgöttern schon denkbar einfach. Weißer Bart, allmächtig oder blitzschleudernd je nach Bedarf und Laune, auf jeden Fall aber hat man schon mal was, womit das Hirn arbeiten kann. Sich so ein Chaos vorzustellen ist aber schon schwer. Lassen wir lieber gleich.

Und warum soll alles Zufall sein? Das würde dem ganzen Leben doch die Romantik rauben. Und den Sinn. Stell dir vor, es wäre Zufall dass du und nicht ein anderes Spermium den Weg in die Eizelle geschafft hätte aus der du durch millionenfache Zellteilung herausgegangen bist. Du wärst somit ein trauriger Zufallssieger statt dem einzigartigen Spermium, das Millionen von Mitbewerbern überholt hat. Der Grundgedanke der Leistungsgesellschaft wäre schon vor deiner Geburt zum Unfug abgestempelt.

Nein, dieser Gedanke wäre traurig. Jeder Mensch ist doch mit einem Ziel auf die Welt gekommen. Jeder Mensch ist mit dem Ziel auf die Welt gekommen, der Mittelpunkt eben dieser zu sein. Also meine Welt dreht sich nur um mich. Ich stehe mit mir auf und gehe mit mir schlafen. Ich denke meine Gedanken, die einzigartig sind, bin unverzichtbar in meinem Job und überhaupt würde ohne mich gar nichts gehen. Ich bin so einzigartig, dass ich mir eine Welt ohne mich gar nicht vorstellen kann.

Eine lustige Übung für uns Egozentriker: Stell dir mal eine Welt ohne dich vor. Probier das mal. Du denkst jetzt bestimmt gerade daran, wie alle die du gern hast, um ein offenes Grab stehen. In Schwarz gehüllt mit einem Taschentuch in der Hand, bittere Tränen vergießend und dein Ableben betrauernd. Aber halt! So war das nicht gemeint. Du sollst dir eine Welt vorstellen, in der du nie gelebt hast. Es geht nicht nur darum, dass du nicht hier bist. Es geht auch darum, dass du nie hier warst. Dass du eben nicht der Freund für deine Freunde, der Mann für deine Frau, die Frau für deinen Mann, der Erzeuger deiner Kinder oder das Kind deiner Eltern warst. Dass du eben nicht die Gegenwart gestaltet hast, die aus deiner Vergangenheit entspringt.

Nein, es muss doch Bestimmung gewesen sein, dass du, ja, gerade du, auf die Welt gekommen bist. Irgendjemand hat einen Plan mit dir. Du bist hier, um eben das zu tun was du tust. Denn auch das muss ja einen Sinn haben. Es muss doch einen Sinn haben, dass du tust was du tust. Job, Familie, Freunde, Hobbies. Der Sinn kann kein Selbstzweck sein. Was wäre das? Glück? Selbstzufriedenheit? Oder ist der Selbstzweck der Sinn?

Du bist der Herr über dein Leben. Ja, doch, ganz bestimmt. Es ist kein Zufall dass du dich für dieses Leben entschieden hast. Du bist bewusst in eine wohlhabende, sichere und saubere Umwelt, einen wilden Urwald oder einen Vorstadtslum geboren worden. Du hast wichtige Entscheidungen wie die Wahl deines Berufs selbst getroffen. Du hast dich bewusst für deinen Lebenspartner entschieden. Falls nicht, so war es zumindest Bestimmung. Falls ich es nicht war, so war es eine höhere Entität, die mich auf all meinen Wegen leitet. Fulltime Job, mit Sicherheit.

Versteh mich nicht falsch bitte. Ich mag Ordnung. Ich mag meine aufgeräumte Wohnung. Ich stehe gerne auf mit der Sicherheit, dass der Kühlschrank voll ist, mein Auto anspringt und die Sonne scheint. Chaos widerspricht allem, was ich anstrebe. Ich trinke meinen Kaffee um Punkt 14.00, nicht um 16.27. Weil das so sein soll. Weil es immer so ist. Die wohlgeplante Ordnung meiner Welt ist aber wohl nur eine Hülle des Chaos das sie umgibt. Menschgemachter Versuch von System im natürlichen Durcheinander.

Nehmen wir mal die durchschnittliche Religion. Am Anfang war immer das Chaos, das Nichts, die Unordnung. Egal ob es die wüste und wirre Erde in der Genesis, das Urchaos in der griechischen Mythologie – es brauchte immer eine göttliche Fügung wie das allmächtige Fingerschnippen um irgendwas aus dem Nichts entstehen zu lassen. Dass Gott dabei meist ein Abbild des Menschen ist, sagt auch einiges über die Abneigung für das Chaos von uns Menschen aus. Wir beherrschen das mit dem Fingerschnippen zwar nicht mehr, zumindest können wir aber noch die alltägliche Machtlosigkeit im Antlitz des Zufalls der über uns herrscht unterdrücken.

Du magst das Chaos nicht. Durchaus komisch, hat es dir doch als durchschnittlichem Zentraleuropäer schon mal eine Grundportion Glück beschert. Du könntest auch chinesischer Wanderarbeiter oder Minenschürfer in Chile sein. Sometimes you catch the bear, sometimes the bear catches you.

OK, ich gebe es zu: Entscheidungen und Handlungen können Struktur und Richtung ins Chaos bringen. Der Mensch erschuf aus dem Urchaos Ordnung und selbstgemachtes Chaos gleichermaßen. Natürlich kannst du dich bewusst für eine Sache und gegen eine andere entscheiden. Sich aber gegen das Rauchen zu entscheiden schützt nicht davor, von einem betrunkenen Geisterfahrer auf der Autobahn ins Verderben gerissen zu werden. OK, das ist jetzt wirklich ein negatives und sehr dramatisches Beispiel, aber du weißt bestimmt was ich meine. Du planst dich in den Idealzustand, blendest das Worse Case Scenario aus und dann kommt doch alles anders. Man kann durch kluges Handeln die Wahrscheinlichkeit für ein gelungenes Dasein erhöhen, Fortuna und Discordia können dir trotzdem die Arschkarte zuteilen.

Ich mag das Beispiel mit den Affen. Stell dir eine unendliche Anzahl von Affen an einer unendlichen Anzahl von Schreibmaschinen vor. Und jetzt lass die Affen in deinem Kopf auf die Tasten hämmern. Wenn dir das Tastengehämmere von unendlich vielen Schreibmaschinen hinter der Stirn zu laut ist, kannst du dir auch die Affen an lautlosen Flüstertastaturen vorstellen. Also, das klingt jetzt blöd, aber: einer dieser Affen wird die Bibel Wort für Wort, Punkt für Punkt und Beistrich für Beistrich schreiben. Das glaubst du nicht, weil so ein Affe ja nur Unfug tippt? Stimmt. Vergiss aber nicht: es sind unendlich viele Affen.

So ist es wohl auch mit dem Hier und Jetzt. Dank der wirklich, wirklich, sehr, sehr langen Zeit, in der es unsere Welt inmitten der Unendlichkeit des Universums gibt, ist es nur eine Frage von geringen Wahrscheinlichkeiten, was aber Dank der großen Anzahl von möglichen Szenarien nicht unmöglich ist, dass du genau du bist, und zwar da wo du bist genau jetzt. Mit der gleichen Wahrscheinlichkeit könntest du vom mexikanischen Milliardär zum kambodschanischen Bürgerkriegsopfer alles sein. Du bist es aber nicht. Das ist gut. Oder schlecht. Vor allem aber Zufall.

 

Die 5 Gebote...

 
...oder das Pentabarf
 

  • Es gibt keine Göttin außer der Göttin, und sie ist deine Göttin. Es gibt keine Erisische Bewegung außer der Erisischen Bewegung, und sie ist die Erisische Bewegung. Und jeder goldene Apfel ist das geliebte Heim eines Goldenen Wurmes.
  • Ein Diskordier soll immer das offizielle diskordische Dokumentennummerierungssystem benutzen.
  • Ein Diskordier ist zu Beginn seiner Illumination dazu verpflichtet, an einem Freitag allein nach draußen zu gehen, um fröhlich einen Hot Dog zu genießen; diese Zeremonie ist dazu da, um gegen die beliebten Heidentümer dieser Tage zu demonstrieren: gegen die katholische Christenheit (freitags kein Fleisch), das Judentum und den Islam (kein Fleisch vom Schwein), den Hinduismus (kein Fleisch von der Kuh), den Buddhismus (kein Fleisch von Tieren) und den Diskordianismus (keine Hot-Dog-Brötchen).
  • Ein Diskordier soll keine Hot-Dog-Brötchen essen, denn diese waren der Trost der Göttin, als sie mit der ursprünglichen Zurückweisung konfrontiert war.
  • Einem Diskordier ist es verboten, zu glauben, was er liest.
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